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Zehn Jahre Palliativmedizin an der Arberlandklinik Zwiesel

Was klein begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.



Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des palliativmedizinischen Konsiliardienstes fand am 18.02.2026 ein Vortrag von Chefärztin MUDr. Lucie Lehka in der Cafeteria der Arberlandklinik Zwiesel statt. Sie blickte auf die Anfänge dieses bedeutenden Projekts zurück und stellte klar: „Wir waren die ersten im Landkreis und der Region, die für eine palliativmedizinische Versorgung gekämpft haben.“ Mit involviert war auch der einstige Wegbereiter Dr. Hanspeter Thies. In gemeinsamen Gesprächen mit der damaligen bayerischen Gesundheitsminsterin Melanie Huml versuchte man, eine Lösung zu finden – gerade weil die Kriterien für einen Palliativdienst schwer zu erfüllen waren. Eine eigene Station konnte aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel einer vergleichsweise kleinen Klinik nicht realisiert werden. So entstand die Idee zum palliativmedizinischen Konsiliardienst.

Doch der Grundgedanke, Patienten sporadisch nur nach Bedarf auf einer Station zu besuchen, war zunächst unbefriedigend. Bis Chefarzt Dr. med. Christian Pötzl und Arberlandkliniken-Vorstand Christian Schmitz es ermöglichten, in Zwiesel einen Bereich speziell für die palliativmedizinische Versorgung aufzubauen. Einige Zimmer wurden optisch aufbereitet und speziell ausgestattet, damit sie sich von einem üblichen stationären Klinikaufenthalt abheben und einen möglichst vertrauten Charakter erzeugen. Im fünfköpfigen Team um Chefärztin Dr. Lehka ist heute eine Pflegekraft von Montag bis Freitag nur für Palliativpatienten und deren Angehörige da. Dazu kommen wertvolle Zusatzausbildungen wie die der Onkopsychologin sowie Angebote wie Musik- oder Aromatherapie. „Wir können also weit mehr als die grundlegende Versorgung anbieten und darüber sind wir sehr glücklich“, sagt Lehka.

 

Intime Momente, die nahe gehen

Auch an der Arberlandklinik Viechtach gibt es einen palliativmedizinischen Dienst, dort seit 2020. Er kann immer dann eingebunden werden, wenn körperliche, psychische oder soziale Beschwerden belastend wirken. Dabei ist es wichtig, Menschen mit einer unheilheilbaren Erkrankung bereits in einer frühen Phase zu begleiten und sie über therapeutische Möglichkeiten aufzuklären, mit denen sich ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen lässt. „Was uns die Kraft gibt, ist die Dankbarkeit der Patienten“, sagt Lehka. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass trotz aller technischen Entwicklungen die Menschlichkeit nicht verloren gehen dürfe. „Weniger Maßnahmen bedeuten am Lebensende viel mehr“, betont Lehka.  

Man könne die Menschen in Palliativbehandlung zwar nie mehr ganz gesund machen, aber die gemeinsame Zeit bewusster miteinander verbringen. Bei vielen Schicksalen werde man unweigerlich Teil einer persönlichen Geschichte, die sehr nahe gehen kann. Die Arberlandkliniken arbeiten dabei eng mit niedergelassenen Ärzten, dem Hospizverein Arberland e.V. und PalliDonis Deggendorf zusammen, einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Auch der Förderverein der Arberlandklinik Zwiesel ist regelmäßig in Aktivitäten und Fördermaßnahmen eingebunden.

 

Ein Dienst von unschätzbarem Wert

Dr. med. Christian Pötzl, seit 2008 Chefarzt der Inneren Medizin an der Arberlandklinik Zwiesel, hat den Aufbau des palliativmedizinischen Konsiliardienstes ebenso begleitet. „Palliativmedizin bedeutet für mich, dem Patienten eine bestmögliche medikamentöse, psychologische und pflegerische Unterstützung zukommen zu lassen“, sagt er. Und ergänzt: „Wir binden auch die Angehörigen mit ein und ermöglichen es ihnen, jederzeit füreinander da zu sein.“

Der Bedarf an palliativmedizinischen Angeboten bestehe zweifellos, führt Pötzl aus. Menschen werden immer älter, sind von Multimorbidität – also gleichzeitig von mehreren chronischen Erkrankungen – betroffen und benötigen damit häufiger eine würdevolle Begleitung bis an das Lebensende. „Ohne Palliativmedizin könnte ich mir die Innere Medizin nicht vorstellen.“

Oft überlagere die Diskussion um Wirtschaftlichkeit auf der Bundesebene die eigentlichen Bedürfnisse, bemängelt Dr. Pötzl. „Die Palliativmedizin beansprucht unheimlich viel Zeit. Dieser hohe Einsatz wird aber in der Krankenhausfinanzierung bislang kaum ausreichend gewürdigt.“ Und Fachärzte wie MUDr. Lehka, deren eigentlicher Schwerpunkt die Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie sind, werden durch die zusätzliche Verantwortung in der Palliativmedizin extrem gefordert. Auch, wenn sie es aus Überzeugung macht, wie Lehka versichert, und sich eine bessere Akzeptanz ihres Tuns wünscht. „Sterben ist ein völlig natürlicher Prozess und sollte kein Tabuthema sein.“

Beim Fortbestand des palliativmedizinischen Konsiliardienstes ist Arberlandkliniken-Vorstand Christian Schmitz mehr als zuversichtlich gestimmt. Ein Antrag zur Erfüllung der betreffenden Leistungsgruppe Palliativmedizin, die im Zuge der Krankenhausreform erhöhte Anforderungen stellt, wurde frühzeitig eingereicht, damit der Dienst auch weiterhin angeboten werden kann. Wenn alles nach Plan verläuft, werden zudem weitere Fachärzte das Team schon bald verstärken können. Das langfristige Ziel ist für Schmitz klar: eine anerkannte Palliativstation im Landkreis Regen dauerhaft zu etablieren. 
 






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