Vom Hörsaal in den Kreißsaal

Vierfachmutter Heidi Knorr ist die erste Hebammen-Studentin in der Arberlandklinik Zwiesel.


  |   Felix Drexler / PNP

Zwiesel/München. Sie zählen zu den ersten Menschen, die ein Neugeborenes erblicken: Die Hebammen empfangen das Baby auf der Welt und unterstützen die Eltern in den Wochen vor und nach der Geburt. Seit einem Jahr erlebt der Beruf in Bayern einen entscheidenden Wandel: Immer mehr Hochschulen bieten den Studiengang „Hebammenkunde“ an. Auch in Zwiesel gibt es eine Studierende, die in der Arberlandklinik erste Praxis-Erfahrungen sammelt und das Kreißsaal- Team tatkräftig unterstützt. Heidi Knorr kommt aus München, ist vierfache Mutter und hat sich mit dem Studium einen lang gehegten Traum erfüllt. „Ich wollte schon immer Hebamme werden“, sagt Knorr im Gespräch mit dem Bayerwald- Boten. „Meine Oma und meine Mama waren auch Hebammen. Weil ich aber selbst Kinder bekommen habe, habe ich den Berufswunsch aufgeschoben.“ Im vergangenen Jahr hat Heidi Knorr den ersten Schritt zu ihrem Ziel verwirklicht. Sie schrieb sich an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg im Bachelor-Studiengang Hebammenkunde ein.

Der Kontakt nach Zwiesel kam deshalb zustande, weil im Studium regelmäßige Praxiseinsätze erforderlich sind. „Als die Zusage kam, habe ich mich sehr gefreut.“ Für die gebürtige Münchnerin ist der Bayerische Wald aber längst kein Neuland. „Wir haben hier schon öfter unseren Urlaub verbracht.“ Und so kommt es, dass Vierfach - Mama Heidi Knorr nun regelmäßig zwischen ihrem Wohnort in der Landeshauptstadt, der Uni in Regensburg und der Arbeitsstelle im Bayerwald pendelt. EinAufwand, den Vierfachmutter Heidi Knorr ist die erste Hebammen-Studentin in der Arberlandklinik Zwiesel sie für ihren Traumjob aber gern in Kauf nimmt. „Es gibt keinen Beruf, bei dem man näher am Leben ist“, sagt Knorr und berichtet von abwechslungsreichen und intensiven Arbeitstagen. „Man weiß am Morgen nicht, was auf einem zukommt. Manchmal ist es ganz entspannt, ein anderes Mal ist der Kreißsaal wieder voll. Das ist jedes Mal eine kleine Wundertüte.“ Im Durchschnitt kommt in Zwiesel ein Kind pro Tag auf die Welt.

Nicht zuletzt, weil Geburten häufig ganz unterschiedlich verlaufen, kommt es auf die Fähigkeiten und Expertisen der Hebammen an. Selbst nach vielen Berufsjahren berichten manche Hebammen von immer wieder kehrenden, einprägsamen Erlebnissen. Kein Wunder, dass auch eine Neueinsteigerin wie Heidi Knorr von diesen Momenten schwärmt. „Wenn so ein kleines Kerlchen auf die Welt kommt, ist das einfach überwältigend.“ Ebenso schön sei es, so Knorr, die jungen Familien danach ein Stück weit begleiten zu dürfen. Die Akademisierung des Berufs schreitet seit knapp eineinhalb Jahren voran. Am1. Januar 2020 ist das neue Hebammengesetz in Kraft getreten.Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, soll 2023 der letzte Kurs an Hebammenschulen angeboten werden, danach soll es nur noch einen Studiengang geben. Momentan gibt es knapp 100 Hebammen, die in Bayern studieren. Angeboten werden die Studiengänge bislang nur an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg und der Katholischen Stiftungshochschule in München.

„Allein in Regensburg gab es zuletzt 400 Bewerber auf 22 Plätze“, berichtet Heidi Knorr. Der Trend ist eindeutig : Immer mehr Studienanfänger interessieren sich für den Hebammen - Beruf. Angesichts der großen Nachfragewollen sich bald weitere Universitäten in Bayern anschließen. An der Technischen Hochschule Nürnberg, der Uniklinik Erlangen und der Hochschule Coburg kann man sich schon für das kommende Wintersemester bewerben, der Start an der Technischen Hochschule in Aschaffenburg ist zum Wintersemester 2022/2023 geplant, ebenso an der Hochschule Landshut. In zwei Jahren soll es in Augsburg und Würzburg soweit sein. Heidi Knorr dürfte dann schon ihrem Traumjob ein ganzes Stück näher gekommen sein.



„Ich wollte schon immer Hebamme werden“, sagt Heidi Knorr. Die Vierfachmutter ist die erste Hebammen-Studentin in Zwiesel. Ihre Praxis-Einsätze absolviert die Münchnerin in der Arberlandklinik Zwiesel.




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