So kann Integration gelingen

Tamara Pavlovic ist seit November 2017 auf der gefäßchirurgischen Station der Arberlandklinik Viechtach als Gesundheits- und Krankenpflegerin tätig. Ehrlich und gut gelaunt erzählt sie im Pressegespräch über ihr erstes Jahr in Deutschland und die Zeit bis dahin. Auch, dass es ihr nicht immer so leicht fiel und sie ihre Familie vermisst.


  |   Stephanie Blüml

Tamara ist von ihrem Heimatort Nis in Serbien nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten, denn eine Arbeitsstelle zu finden ist in ihrem Heimatland nicht so einfach. „Nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester, die in Serbien vier Jahre dauert, war ich arbeitssuchend“, erzählt die 24-Jährige. „Ich habe mich dann bei einer Agentur beworben, die Krankenpfleger nach Deutschland vermittelt.“ Über ein erfolgreiches Video-Bewerbungsgespräch mit den Verantwortlichen der Arberlandkliniken ist sie schließlich nach Viechtach gekommen.

Das Visum für Deutschland erhielt sie nach nur drei Monaten Wartezeit. „Ich hatte definitiv Glück, das dauert bei vielen einiges länger“, so Tamara. In Deutschland angekommen musste sie zunächst ein Praktikum als Pflegehelferin absolvieren, um die Anerkennung ihrer Ausbildung zu erlangen. „Mein Deutsch war anfangs nicht ganz so gut. Das Lernen der Sprache war die größte Herausforderung“, erzählt sie weiter. Mittlerweile spricht sie fließend Deutsch und lernt auch weiterhin fleißig. Sie zeigt sich ehrgeizig und hat die anfänglichen Unsicherheiten abgelegt. „Die Kollegen, egal ob Pflege oder Ärzte, haben alle sehr viel Geduld mit mir, dafür bin ich wirklich dankbar.“

Tamara hat sich sehr gut integriert und sie selbst dankt vor allem Helga Weber, Bereichsleitung der chirurgischen Stationen, die sich viel um die Integration bemüht hat. Gemeinsam mit den Kollegen unternehmen sie auch nach der Arbeit etwas, sofern es die Zeit erlaubt. „Wir gehen immer wieder gemeinsam essen oder zum Beispiel ins Freibad“, erzählt Helga Weber.

Ganz so leicht steckt Tamara die Entfernung von zu Hause aber nicht immer weg. Im vergangenen Jahr hat sie phasenweise immer wieder das Heimweh geplagt, denn ihre Eltern und ihr Bruder leben nach wie vor in Serbien. Für sie ist jedoch klar, dass sie weiterhin in Deutschland bleiben möchte. „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung und die tolle Aufnahme in das Team der Station 2. Meine Kollegen haben mir sehr viel beigebracht und ich möchte die Chance hier in Deutschland nutzen“, sagt sie. Zur Anerkennung ihrer Ausbildung musste Tamara beispielsweise mehrere Prüfungen ihrer Krankenpfleger-Ausbildung erneut ablegen. Am Morgen der Prüfung fand sie an ihrem angestammten Platz im Stationszimmer eine Botschaft mit Glückwünschen des Teams vor. „Da merkt man schon, dass man zum Team gehört.“ Seit November 2018 ist ihre Ausbildung voll anerkennt und sie ist als ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin angestellt. 

Schmunzelnd muss sie auf Nachfrage zugeben, dass sie selbst nicht ganz vorurteilsfrei nach Deutschland gekommen ist. „Bei uns sagt man den Deutschen nach, sie seien distanziert oder sogar gefühlskalt“, lacht sie schüchtern. Das habe sich zum Glück nicht bewahrheitet und sie sei umso dankbarer für die herzliche Atmosphäre auf Station 2.

Die Knappheit des Pflegepersonals ist in Deutschland mittlerweile ein allgegenwärtiges Thema geworden. Wenn man sich die Prognosen ansieht, wird sich die Situation in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. „Wir können aktuell noch alle unsere Vakanzen besetzen, die Zeit von einer offenen bis zur Wiederbesetzung der Stelle wird jedoch immer länger“, sagt Pflegedienstleitung Angela Schwarz. „Wir haben deswegen bereits 2017 frühzeitig einen Versuch gestartet, Pflegekräfte aus dem Ausland zu akquirieren.“ Diese Personalgewinnungsmaßnahme soll auch im Jahr 2019 weiter fortgesetzt werden. „Dies stellt nur einen Baustein unserer Personalgewinnungsstrategie dar, so etablieren wir beispielsweise auch einen chirurgischen Springerdienst, der mit 1200 Euro zusätzlich entlohnt wird oder bieten Einstellungsboni für neue Mitarbeiter“, so Schwarz weiter.

Neben der Integration von Frau Pavlovic wurden noch drei weitere Mitarbeiter aus Serbien eingestellt. „Wir wünschen allen weiterhin viel Erfolg in unseren Häusern“, so die Pflegedienstleitung abschließend.  



Tamara Pavlovic und Teil des Teams der Station 2: V.l. Helga Weber, Maria Kronschnabl, Tamara Pavlovic, Michael Hauenstein, Bianca Pfeffer, Monika Holzapfel

Tamara Pavlovic und Helga Weber




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