Das richtige Antibiotikum, in der richtigen Dosierung, zur richtigen Zeit

Unsere Bemühungen rund um den Einsatz von Antibiotika am Patienten im Rahmen der World Antibiotic Awareness Week

Die weltweite Zunahme beim Auftreten von Antibiotika-Resistenzen gehört zu den größten Gefahren für die Gesundheit des Menschen. Für die Behandlung von Infektionskrankheiten ergeben sich hierdurch dramati-sche Konsequenzen. Antibiotika werden zu oft und vielfach unbegründet angewendet – darauf macht auch in diesem Jahr wieder die sogenannte World Antibiotic Awareness Week aufmerksam.


  |   Stephanie Blüml

Antibiotika sind wirksam gegen bakterielle Infektionen – bei Infektionen, die durch Viren verursacht werden, wie beispielsweise eine Erkältung oder Grippe, wirken sie wiederum nicht. Die zutreffende Diagnose und die Entscheidung darüber, ob ein Antibiotikum notwendig ist, kann nur ein Arzt vornehmen.

Unbegründeter oder unsachgemäßer Gebrauch von Antibiotika kann dazu führen, dass Bakterien resistent werden und auf zukünftige Behandlungen nicht mehr ansprechen. Dies gefährdet nicht nur die Gesundheit derer, die das Antibiotikum unsachgemäß eingenommen haben, sondern auch die Gesundheit aller anderen Menschen, die sich im weiteren Verlauf mit den resistenten Bakterien anstecken.

Auch die Arberlandkliniken haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema Antibiotika und den daraus resultierenden Resistenzen auseinandergesetzt. Hierfür wurde ein spezielles Team, das sogenannte Antibiotic-Stewardship-Team (ABS-Team) einberufen, das aus beauftragten Ärzten aller Fachrichtungen, der Leitung der Hygiene-Abteilung, Markus Maurer, sowie Hannes Prenissl, Inhaber der Arberland Apotheken und beauftragter Krankenhaus-Apotheker für die Arberlandkliniken, besteht.

Das ABS-Team kümmert sich um den leitliniengerechten und rationalen Einsatz von Antibiotika in der Klinik und spricht auch Empfehlungen für die Behandlung aus. „Wichtig ist es, das richtige Antibiotika in der richtigen Dosierung zur richtigen Zeit einzusetzen“, erläutert Prenissl. Nach einer kalkulierten Antibiose zu Beginn sei hierfür ein Abstrich erforderlich, der den richtigen Erreger identifiziert – nur so könne die Antibiose möglichst zielgerichtet eingesetzt werden. „Das oberste Ziel ist die leitliniengerechte Behandlung des Patienten und somit die Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen“, so Prenissl weiter.

Einen wichtigen Indikator für den Einsatz von Antibiose stellen Resistenzstatistiken dar, die durch beide ABS-Teams diskutiert und bewertet werden. Aus den aktuellen Statistiken werden dann entsprechende Therapieempfehlungen abgeleitet. Auch die Hygienekommission der Arberlandkliniken wird eng mit einbezogen, sodass alle an einem Strang ziehen. „Den Antibiotika-Verbrauch erfassen wir in der Regel strukturiert zweimal jährlich“, erläutert Dr. Martin Müller, leitender Oberarzt der Unfallchirurgie und Mitglied des ABS-Teams. „Wir lassen die Ergebnisse über die Infektiologie des Universitätsklinikums Freiburg auswerten, wo wir uns mit rund 260 deutschen Kliniken, die ähnlich groß sind wie wir, vergleichen“, so Müller weiter. So erhalte man auch Daten anderer Kliniken, die neben der Menge auch zeigen, welche Klassen an Antibiotika verbraucht werden.

Die Empfehlungen des ABS-Teams entsprechen den aktuell gültigen Leitlinien und sind fachlich fundiert. So hat Apotheker Prenissl erst kürzlich die Zusatzbezeichnung „Infektiologie“ der Bayerischen Landesapothekerkammer erworben, die zur Beratung von Ärzten und medizinischem Personal in Bezug auf Antiinfektiva dient. Auch MUDr. Radek Barta, Facharzt in der Anästhesie- und Intensivmedizin der Arberlandklinik Viechtach, hat die durch die Bayerische Landesärztekammer anerkannte Zusatzbezeichnung „Infektiologie“ erworben. Wei-tere Ärzte befinden sich derzeit in der Weiterbildung zu „Antibiotic-Stewardship-Experts“, darunter Dr. Martin Müller und Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin der Arberlandklinik Viechtach, Dr. Günther Schmerbeck.

Vor dem Hintergrund der europaweit zunehmenden Antibiotika-Resistenzen, werden die Aufgaben eines ABS-Teams zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. „Denkbar sind beispielsweise Antibiotika-Visiten durch Mitglieder des ABS-Teams“, erläutert Prenissl. So könne direkt vor Ort der sinnvolle Einsatz von Anti-biose für den Patienten besprochen werden und entsprechende Empfehlungen gegeben werden.



v.l.Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin Dr. med. Tobias Kiel, Apotheker Hannes Prenissl, Lei-tender Oberarzt der Unfallchirurgie Dr. Martin Müller, Leitende Hygienefachkraft Markus Maurer




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