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Berufsausbilung in Zeiten von Corona - Interview mit unseren Azubis

Aufgrund der zahlreichen Hygienevorschriften und Vorsichtsmaßnahmen stellt die Berufsausbildung in Zeiten von Corona für viele Arbeitgeber und Schulen eine große Herausforderung dar. Vor allem auch die Auszubildenden müssen sich immer wieder kurzfristig an geänderte Rahmenbedingen anpassen.


  |   T.B.

Lena Bichler, Stefanie Haushofer und Anna-Maria List befinden sich mit ihren Ausbildungen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin (seit 2020: Pflegefachmann/-frau) in den Arberlandkliniken an vorderster Front. Im mittlerweile dritten und somit letzten Lehrjahr, stehen für alle drei in nicht allzu langer Zeit wichtige Abschlussprüfungen an. Inwieweit sie die Pandemie-Situation in ihrer Prüfungsvorbereitungsphase beeinflusst hat und wie sich ihr Klinikalltag verändert hat, haben wir die drei in einem kurzen Interview gefragt.

 

ALK: Das Wichtigste zuerst: Wie geht es euch? Seid ihr alle gesund?

Anna-Maria: Uns geht es gut. Jetzt kurz vor den Abschussprüfungen steht man natürlich allgemein immer ein wenig unter Stress, aber wir sind glücklicherweise alle gesund!

ALK: Ihr sprecht die Abschlussprüfungen an. Wie kann man sich diese als Aussenstehender vorstellen? Was erwartet euch die nächsten Wochen?

Lena: Die Abschlussprüfungen bestehen im Wesentlichen aus drei Teilen. Man absolviert zuerst die praktische Prüfung, danach folgt in einem Abstand von normalerweise circa einem Monat die dreitägige theoretische Prüfung und zuletzt wiederum in einem Abstand von normalerweise rund einem Monat die mündliche Abschlussprüfung.

ALK: Ihr sagt normalerweise. Hat sich denn aufgrund der Corona-Situation dahingehend etwas geändert?

Anna-Maria: Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich einiges geändert. Vor allem aber was den Prüfungszeitraum betrifft, spürt man die kurzfristig notwendigen Änderungen schon stark. Wir haben beispielsweise erst ca. zwei Wochen vor dem eigentlichen Beginn der praktischen Prüfungen Bescheid bekommen, dass diese verschoben werden und insgesamt alle Prüfungen auf einen kleineren Zeitraum komprimiert werden. (Anm. der Redaktion: Gründend auf der kurzfristigen Mitteilung durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus). Normalerweise haben wir Anfang Mai die praktischen Prüfungen, dann einen Monat später folgt die Theorie und wiederum einen Monat später schließen wir mit den mündlichen Prüfungen ab. Jetzt beginnt der Prüfungszeitraum im Juni und alles spielt sich innerhalb von drei Wochen ab.

ALK: Das ist aber dann schon eine Menge Stoff für drei Wochen, oder?

Stefanie: Das kann man so sagen (alle drei lachen). Aber wir werden es schon schaffen, man kann es eben nicht ändern. Außerdem stehen unsere Praxisanleiter in der Klinik auch immer gerne zur Verfügung, falls wir noch Fragen haben. Gemeinsam bereiten wir uns bestmöglich für die kommenden Wochen vor.

ALK: Da bin ich mir sicher. Gibt es auch von schulischer Seite ein Angebot, welches ihr bei Fragen nutzen könnt?

Lena: Ja, unsere Lehrerinnen und Lehrer vom Berufsbildungszentrum für Soziale Berufe in Zwiesel haben angeboten, dass wir uns bei Fragen jederzeit gerne telefonisch bei ihnen melden dürfen. Es wurde sogar eine spezielle Corona-Hotline für Schüler eingerichtet, bei der immer eine Lehrerin oder ein Lehrer erreichbar ist.

ALK: Wie läuft der theoretische Unterricht im Mädchenwerk denn allgemein ab? Muss auch hier etwas beachtet werden?

Anna-Maria: Wir Abschlussklassen sind in der glücklichen Situation, dass wir seit Ausbruch der Corona-Pandemie regulär keinen Schulunterricht mehr hatten. Alle anderen Klassen müssen aber natürlich auch hier die Hygiene-Auflagen beachten. Bevor man von der Praxis in den theoretischen Schulunterricht wechseln kann, muss man erst zwei Wochen lang in Quarantäne. Wenn dann der Block-Unterricht beendet ist, muss man nochmal zwei Wochen in Quarantäne, bevor man wieder in die Klinik zurückkehren kann.

ALK: Habt ihr von anderen Azubis schon was mitbekommen? Vielleicht welche, die momentan noch im ersten oder zweiten Lehrjahr sind. Wie kommen diese mit der Situation zurecht?

Stefanie: Auch für sie ist das alles natürlich ungewohnt. Normalerweise ist man während der Ausbildungszeit auch für einen längeren Zeitraum auf „Außeneinsätzen“, d.h. in anderen Kliniken oder Pflegeeinrichtungen, unterwegs. Außeneinsätze in beispielsweise Kinderkliniken oder Altenheimen wurden jetzt aber komplett abgesagt. Da geht dann natürlich einiges an Praxis-Wissen verloren. Wann diese Einsätze nachgeholt werden, ist noch unklar.

ALK: Nochmal zurück zu euren Abschlussprüfungen: Ist die Durchführung, beispielsweise der praktischen Prüfung, ganz normal möglich?

Lena: Nein, die praktische Prüfung wird stark vom Normalzustand abweichen. Anstatt in der Klinik, wird sie in einem speziellen Pflegeraum an einer lebensgroßen Pflege-Puppe im Berufsbildungszentrum für Soziale Berufe in Zwiesel stattfinden. Normalerweise sind unsere Praxisanleiter gleichzeitig unsere Prüfer. Außerdem legen wir unsere praktische Prüfung im Normalzustand an einem „lebenden Menschen“ ab. Das wird eine große Umstellung sein und für uns nicht ganz leicht.

ALK: Ist der Unterschied so groß?

Anna-Maria: Natürlich. Unsere Praxisanleiter haben uns über die gesamte Ausbildung hinweg begleitet - wir kennen sie und sind sie gewohnt. Jetzt müssen wir uns auf andere Prüfer einstellen, da sie uns leider nicht begleiten dürfen. Hinzu kommt, dass wir im Prüfungsraum des Mädchenwerks wahrscheinlich mit anderen Materialien arbeiten müssen, als die, welche wir seit drei Jahren von der Klinik gewohnt sind. Es ist allgemein Ausrüstungstechnisch nicht so viel vorhanden, wie in einem Krankenhaus.

ALK: Und die „Arbeit“ an der Puppe?

Anna-Maria: Das wird die größte Umstellung sein. Zwar sind auch an der speziell hierfür angeschafften Pflegepuppe viele pflegerische Tätigkeiten, wie beispielsweise das Anlegen eines Wundverbandes oder das Legen einer Infusion oder eines Katheters möglich, trotzdem ist das Verhältnis zu einer Puppe natürlich ein ganz anderes als zu einem echten Menschen. Man kennt normalerweise die Patienten, weiß was in der Doku steht und hat schon öfter mit ihnen geredet. Bei einer Puppe müssen eben diese Umstände alle simuliert werden. Sie reagiert nicht auf unsere Handlungen und auch das Sprechen mit einer Puppe wird sicher etwas komisch. Außerdem befürchten wir, dass bei der Puppe mehr Theorie abgefragt wird (alle lachen).

ALK: Gibt es trotz der vielen Änderungen dennoch etwas, was ihr durch die aktuelle Situation als lehrreich bewerten würdet?

Stefanie: Dadurch, dass bis vor kurzem keine geplanten Operationen in den Kliniken stattfinden konnten, waren natürlich auch weniger Patienten stationär. Somit hatte man weniger Möglichkeiten, die Praxis zu üben. Der Umgang mit infektiösen Erkrankungen jedoch wurde aufgrund der Krise für uns verständlicher.

ALK: Vielen Dank für eure Zeit, bleibt gesund und noch viel Glück bei den anstehenden Abschlussprüfungen!






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