Malaysische Pflegekräfte in der Arberlandklinik Viechtach angekommen

Eigentlich hätte das Flugzeug von Umi Omar, Nurul Taib und Nursyamilah Yusof schon vergangenes Jahr im Frühjahr in Deutschland landen sollen, allerdings hat die immer noch währende Pandemie, wie bei so vielem, auch hier die Planungen etwas durcheinander gebracht. Nun sind die drei 24-jährigen malaysischen Pflegekräfte endlich an ihrem Zielort angekommen und können sich auf eine spannende Zeit als Anerkennungspraktikantinnen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Arberlandklinik Viechtach freuen.


  |   T.B.

„Es freut mich sehr, dass jetzt doch alles geklappt hat und wir die drei jungen Damen bei uns in Viechtach begrüßen dürfen“, freut sich auch die Pflegedienstleitung der Arberlandkliniken Angela Schwarz. Zustande gekommen ist der Kontakt über eine Vermittlungsagentur, welche ausländische Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt. Beworben haben sich Omar, Taib und Yusof vor allem um neue Erfahrungen zu sammeln, eine neue Kultur kennen zu lernen, aber auch aus finanziellen Gründen, da eine Pflegeausbildung in Malaysia deutlich weniger gut vergütet wird, als dies in Deutschland der Fall ist. Über ein erfolgreiches Video-Interview mit den Verantwortlichen der Arberlandkliniken sind sie schließlich nach Viechtach gekommen.

Schon Ende 2018 befasste man sich in den Arberlandkliniken mit der Frage, wie der in Deutschland herrschende Fachkräftemangel auch mit einem strukturierten Anwerben von ausländischen Pflegekräften langfristig abgewendet werden könnte. Selbstverständlich steckt hinter einem Unterfangen dieser Art auch jede Menge Arbeit und viel Planungs- und Organisationsaufwand. Beginnend mit der Suche nach den richtigen Agenturen über die Abwicklung der Visa-Verfahren bis hin zur Organisation von Sprachkursen und der Suche nach entsprechenden Wohnmöglichkeiten sind dies nur einige der notwendigen Aufgaben, welche hierfür zu bewältigen sind. Dennoch lohnt sich laut Schwarz der Aufwand: „Bei unserer Entscheidung über die Durchführung dieses Projektes spielte natürlich auch die Tatsache eine große Rolle, dass es sich dabei nicht nur um einen kurzweiligen Aufenthalt handelt. Unser Ziel ist es, die malaysischen Pflegekräfte auch langfristig für die Arberlandkliniken zu gewinnen.“

Hierfür sind neben kontinuierlich weiterlaufenden Sprachkursen auch ein zehnmonatiges Anerkennungspraktikum sowie das Ablegen einer anschließenden Prüfung Teil des Gesamtkonzeptes. Zwar verfügen die Malaysierinnen bereits über eine in ihrem Land anerkannte Pflegeausbildung, allerdings sind für die Zulassung als Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland noch einige zusätzliche Praktikumseinsätze erforderlich, um die deutsche Berufsanerkennung zu erhalten. In den nächsten Wochen steht vor allem das Nahebringen der klinikinternen Strukturen, das Kennenlernen der Kolleginnen und Kollegen sowie die Abarbeitung eines strukturieren Einarbeitungskonzeptes an, bevor ein geplanter Arbeitseinsatz auf den Stationen 1, 2 und 3 erfolgen und die weiterführende Betreuung von den Praxisanleitern der jeweiligen Stationen übernommen werden kann.

Dankbar sind die drei vor allem Helga Weber, Bereichsleitung der chirurgischen Stationen in der Arberlandklinik Viechtach, welche sich im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Servicestelle Pflege, Familie und Beruf maßgeblich um die Integration bemüht und auch sonst stets beratend zur Seite steht. Gemeinsam gehen sie beispielsweise auch nach der Arbeit zum Einkaufen, erledigen Beschaffungen für die Wohnunterkunft oder andere Dinge des alltäglichen Lebens.

Obwohl die neuen Kolleginnen froh sind, dass alles so gut geklappt hat, geben sie zu, dass sie dennoch nicht ganz ohne Vorurteile nach Deutschland gekommen sind. „Bei uns in Malaysia heißt es die Deutschen wären distanziert und hätten keinen Humor. Diese Behauptung können wir jetzt auf jeden Fall widerlegen“, erzählt Yusof lachend. „Wir wurden von allen sehr herzlich empfangen und haben an unserem ersten Arbeitstag beispielsweise einen großen Geschenkkorb mit unterschiedlichen Spezialitäten aus der Region bekommen. Das hat uns alle sehr gefreut“, so Yusof weiter. Nicht nur gesellschaftlich, sondern auch landschaftlich sind die ersten Tage in Deutschland für die Malaysierinnen von vielen neuen Eindrücken geprägt. „Es ist alles ganz anders als in unserem Heimatland. Die Gegend ist sehr schön aber vor allem die Kälte ist für uns schon noch etwas gewöhnungsbedürftig. Eine neue Jacke steht glaube ich ganz oben auf der Beschaffungsliste“, schmunzelt Omar und schaut dabei Helga Weber an.

Auf die Frage, ob ihnen der Abschied von ihren Familien schwer gefallen ist, nicken alle drei. Aber es sei ja auch ihre eigene Entscheidung gewesen, diese Chance zu nutzen. Ihre Familien stehen alle voll und ganz hinter ihnen und unterstützen den Weg, den sie eingeschlagen haben. Ein starker Rückhalt, wenn man bedenkt, dass jede der drei Malaysierinnen über mindestens sechs Geschwister in ihrem Heimatland verfügt. Auf jeden Fall seien sie alle froh, jetzt hier arbeiten und neue Eindrücke sammeln zu dürfen.

Die Knappheit des Pflegepersonals ist in Deutschland mittlerweile ein allgegenwärtiges Thema geworden. Wenn man sich die Prognosen ansieht, wird sich die Situation in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. „Wir sind froh, dass wir in den Arberlandkliniken alle unsere Vakanzen meist auch rechtzeitig besetzen können“, sagt Personalleitung Stephanie Blüml. „Wir haben aber bereits frühzeitig den Versuch gestartet, Pflegekräfte aus dem Ausland zu akquirieren. Diese Personalgewinnungsmaßnahme soll auch in Zukunft weiter fortgesetzt werden, stellt aber nur einen Baustein unserer Strategie dar“, so Blüml weiter. Man habe die Ausbildungsstellen in den Pflegeberufen in den vergangenen Jahren massiv erhöht, zudem biete man ein Qualifizierungsprogramm für bestehende Mitarbeiter anderer Bereiche zu Pflegefachkräften. Außerdem steht die interne Weiterbildung hoch im Kurs, sei es im Rahmen von Fachweiterbildungen oder Zusatzqualifikationen im Pflegebereich.

Neben der Integration von Frau Omar, Frau Taib und Frau Yusof befindet man sich aktuell noch im Gespräch mit drei weiteren Pflegekräften aus Malaysia, welche dann nach jetzigem Stand Anfang Juli diesen Jahres die Arberlandklinik in Zwiesel verstärken sollen.



Im Vordergrund: Die drei malaysischen Pflegekräfte Umi Omar, Nurul Taib und Nursyamilah Yusof Im Hintergrund v.l.: Helga Weber (Bereichsleitung chirurgische Stationen Arberlandklinik Viechtach), Stephanie Blüml (Personalleitung Arberlandkliniken), Angela Schwarz (Pflegedienstleitung Arberlandkliniken)




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