Klinik- und Notfallversorgung in Gefahr

Nach über zwei Jahren Pandemie, die mit vielen staatlichen Eingriffen in die Gesundheitsversorgung und einer erheblichen Mehrbelastung einzelner Bereiche in den Kliniken verbunden waren, sehen die Verantwortlichen der Arberlandkliniken mittlerweile auch für die stationäre Krankenhausversorgung im Landkreis Regen
erhebliche Probleme.



Wie die Bayerische Krankenhausgesellschaft Anfang dieser Woche in einer Pressemitteilung kommuniziert, bestehen diese Probleme nahezu an allen bayerischen Kliniken. Im Rettungsdienstbereich Straubing, zu dem auch der Landkreis Regen gehört, können zwischenzeitlich fast alle Akutkliniken bei weitem nicht mehr die Behandlungskapazitäten für stationäre Patienten anbieten, wie dies noch vor der Pandemie Anfang 2020 der Fall war. Auch in den Arberlandkliniken mussten personalbedingt in den letzten zwei Jahren die Behandlungskapazitäten immer wieder reduziert werden. Von den jeweils 166 Planbetten Maximalbelegung können zwischenzeitlich an beiden Kliniken meistens nur noch weniger als 130 Patienten pro Standort gleichzeitig versorgt werden. Die Gründe hierfür sind dabei vielfältig, jedoch für die Klinikverantwortlichen aktuell nicht beinflussbar.

Mit den kurz vor der Corona-Pandemie eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen wurden erstmals gesetzlich pflegerische Mindestbesetzungen in der stationären Krankenhausversorgung eingeführt, die von den Kliniken verpflichtend einzuhalten sind, da ansonsten finanzielle Strafzahlungen drohen. Die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung gibt eine Mindestanzahl an Pflegekräften vor, die die Kliniken in den jeweiligen Bereichen – unterteilt in Tag- und Nachtschicht – vorhalten müssen, um die Arbeitssituation der Pflegekräfte zu verbessern und die Qualität der Versorgung zu erhöhen. Bereits ab 2018 wurde als Vorbereitung auf die Pflegepersonaluntergrenzen an beiden Kliniken mehr als 20 Prozent mehr Pflegepersonal in den bettenführenden Bereichen eingestellt, da dies von Anfang an als limitierender Faktor bei den Behandlungskapazitäten erkannt wurde. Die Regelungen der Pflegepersonaluntergrenzen sind sehr starr und bieten für die Verantwortlichen leider keinerlei Handlungsspielraum.

Verstärkend wirkt in den letzten zwei Jahren jedoch auch eine sehr deutlich erhöhte Ausfall- bzw. Krankheitsquote bei den Mitarbeitern im Klinikbereich, eine deutlich erhöhte Anzahl von Pflegekräften, die in Elternzeit gehen und diese auch deutlich verlängern sowie der allgemeine Verlust von Mitarbeitern in den Pflegeberufen, die teilweise sogar die Branche komplett wechseln. Auch wenn dies einen deutschlandweiten Trend darstellt und die Arberlandkliniken die Auswirkungen lange Zeit kompensieren konnten, ist nun festzustellen, dass der Fachkräftemangel mittlerweile erhebliche Auswirkungen auf die stationäre Krankenhausversorgung auch in den Arberlandkliniken hat.

Zwischenzeitlich ist es regelhaft der Fall, dass die im Rettungsdienstbereich Straubing angesiedelten Akutkliniken teilweise über Tage nicht von den Rettungsdiensten in den verschiedenen Fachbereichen angefahren werden können, da die Behandlungskapazitäten nicht ausreichen und die Kliniken bei der Leitstelle abgemedet sind. Noch vor ca. drei Jahren war dies in den Arberlandkliniken so gut wie nie der Fall, mittlerweile muss man sich jedoch bei den anderen Kliniken einreihen, die ebenfalls regelhaft Abmeldungen bei der Rettungsleitstelle tätigen müssen. Dies bedeutet auch, dass bayernweit und auch in Niederbayern regelmäßig die Situation auftritt, dass Patienten nicht in ihrem Heimatkrankenhaus versorgt werden können, sondern mit prinzipiell alltäglichen Krankheitsbildern in deutlich weiter weg gelegene Kliniken gefahren werden müssen, damit sie überhaupt eine stationäre Behandlung erhalten können. Gleichzeitig werden jedoch immer wieder auch Patienten aus Landshut, Kelheim oder Regensburg an eine der beiden Arberlandkliniken gefahren, wenn dort freie Behandlungskapazitäten vorhanden sind.

Die Klinikleitung bittet daher um Verständnis bei der Bevölkerung, dass aktuell von Seiten der Ärzte sehr intensiv abgewogen werden muss, ob eine stationäre Behandlung in einer der beiden Kliniken tatsächlich notwendig ist oder ob eine Notfallversorgung und anschließende ambulante Weiterbehandlung zu keinem schlechteren medizinischen Ergebnis führt. Ärzte und Pflege bemühen sich nach Kräften darum, dass diese Auswirkungen für die Patienten und die Bevölkerung nur sehr wenig spürbar sind. Wichtig ist der Klinikleitung jedoch auch, dass auf diese deutschlandweiten Probleme ganz klar aufmerksam gemacht wird, da die Uhr in diesem Bereich mittlerweile nicht mehr auf fünf vor zwölf, sondern schon lange auf fünf nach zwölf steht.

In beiden Arberlandkliniken erfolgen regelmäßig Abstimmungen zwischen den beiden Ärztlichen Direktoren Dr. Christian Pötzl und Dr. Günther Schmerbeck und Pflegedienstleitung Angela Schwarz. „Wir versuchen der aktuellen Situation soweit wie möglich gerecht zu werden. Unsere Bestrebungen sind darauf ausgerichtet, unsere Patienten entsprechend ihrer aktuellen Situation bestmöglich zu versorgen und wir bitten bei immer wieder entstehenden Wartezeiten um Verständnis.“ so die gleichlautende Aussage der Verantwortlichen.






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